So fotografierst du einen Wasserfall – ohne Graufilter

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Du hast sicher schon einmal so ein Wasserfall-Foto gesehen. Du würdest gern auch so ein Foto machen, weist aber nicht wie?

 

Eigentlich benötigst du dafür eine gute Kamera, ein hochwertiges Objektiv und einem so genannten Graufilter. Aber eben nur eigentlich. Ich zeige Dir in diesem Artikel, wie du einen Wasserfall ohne Graufilter fotografieren kannst. Unter geeigneten Bedingungen und den richtigen Einstellungen an deiner Kamera, fotografierst du Wasserfälle wie ein Profi.

 

 
Wasserfälle spielen eine große Rolle in der Landschaftsfotografie. Wasser zieht eben an. Besonders reizvoll sind diese Fotos vor allem wegen dem Kontrast zwischen dem weichen Schleier des Wassers und der detailreichen Umgebung. So ein Foto lädt den Betrachter zum Verweilen ein.

 

Wasserfall Langzeitbelichtung 1-3 Sekunde 5312

 

Das Geheimnis eines tollen Wasserfall-Fotos liegt in einer Belichtungszeit, die länger als die Belichtungszeit der Programmautomatik ist. Aber sind Langzeitaufnahmen tagsüber überhaupt möglich? Ein ganz klares Jein. Deswegen solltest du diese zwei Szenarien unterscheiden:

 

1. Aufnahmezeit länger 1 Sekunde

Fotografierst du tagsüber mit einer sehr langen Belichtungszeit, benötigst du einen so genannten Graufilter. Dieser verdunkelt das Bild so stark, dass eine echte Dauerbelichtung von mehreren Sekunden oder Minuten möglich ist.

2. Aufnahmezeit kürzer 1 Sekunde

Tagsüber sind unter bestimmten Voraussetzungen Langzeitbelichtungen ohne Graufilter möglich. Welche das sind und welche Tricks du anwenden kannst, erfährst du weiter unten.

 

Je nach Art und Lage des Wasserfalls reicht bereits eine 1/3 Sekunde aus, um einen geschmeidigen Wasserschleier zu erhalten. Es benötigt also nicht immer eine „echte“ Langzeitbelichtung von mehreren Sekunden.

 

Wasserfall mit Brücke Lanzeitbelichtung ohne Graufilter 05308

Dieses Foto entstand mit einer Belichtungszeit von nur 1/3 Sekunde

Was ist ein Graufilter und was nützt dir dieser

 

Ein Graufilter wird auch als ND-Filter oder als Neutraldichtefilter bezeichnet. Dieser besteht aus Glas oder Kunststoffscheiben, die gleichmäßig und farbneutral eingefärbt sind. Die Farbwiedergabe ist unverfälscht. Die durch das Objektiv einfallende Lichtmenge kann mit einem Graufilter auf wenige Promille reduziert werden.

 

Es gibt verschiedene Filterstärken. Häufig sind ND8, ND64 oder ND1000 anzutreffen. Die Zahlen verraten dir dem Faktor, um den die Belichtungszeit mit dem Graufilter verlängert werden kann. Mit einem ND1000 Filter kannst du also 1000 mal länger belichten als ohne Filter. Selbst bei starken Sonnenlicht sind damit Belichtungen von mehreren Sekunden möglich.

 

Kompakt-Kameras besitzen am Objektiv meist kein Gewinde, um einen Filter daran zu befestigen. Deswegen gibt es Alternativen, z.B. mit einer Magnet-Halterung. Für die drei Modelle der Sony RX100 Familie gibt es z.B. diese Halterung. Passend dazu gibt es Graufilter in drei verschiedenen Stärken.

 

Mit der Halterung und den Filtern in der Tasche, bist du tagsüber in der Lage die Belichtungszeit beliebig zu variieren.

 

So fotografierst du ohne Graufilter

 

Du hast gerade keinen Filter zu Hand? Kein Problem, in den meisten Fällen geht es auch ohne. Hier meine Tricks, wie du einen Wasserfall ohne Graufilter fotografierst.

 

Voraussetzung

Um ohne einen Graufilter auszukommen, brauchst du ausnahmsweise mal wenig Licht. Fotografiere am frühen Morgen oder am Abend, wenn es dunkler ist. Ein grauer, bewölkter Tag ist genau richtig. Besonders gut sind Wasserfälle, die in schattigen Wäldern oder in engen Tälern liegen. Sonnige und frei liegende Wasserfälle sind für diese Art Foto ungeeignet.

 

Umsetzung

  1. Sorge zunächst dafür, dass deine Kamera richtig eingestellt ist.
  2. Nutze den A-Modus und stelle die höchstmögliche Blendenzahl (z.B. Blende 11 oder höher) ein. Dadurch fällt weniger Licht auf den Sensor und die Belichtungszeit verlängert sich.
  3. Reguliere die ISO auf den kleinstmöglichen Wert. Bei den meisten Kameras ist das ISO100, bei wenigen anderen ist ISO80 möglich.
  4. Fotografiere im RAW Format!
  5. Verzichte wenn möglich auf den Zoom.
  6. Stelle deine Kamera mit einem Stativ auf und sorge für einen guten und stabilen Stand.
  7. Nutze eine Fernbedienung oder einen Selbstauslöser, um Verwackelungen zu vermeiden.

 

Abhängig von der Fließgeschwindigkeit des Wassers sollte die Belichtungszeit lang oder kurz sein. Für einen schnell fließenden Wasserfall reicht oftmals bereits 1/3 Sekunde aus. Die besten Resultate sind in der Regel ab 1/2 Sekunde möglich. Belichtungszeiten von mehr als 3 oder 4 Sekunden bringen selten noch bessere Effekte. Besonders schöne Fotos habe ich an langsam fließenden Wasserfällen gemacht. Bei diesen ist der weiche Schleier gleichmäßiger und wirkt ruhiger.

 

 

Tricks

Achte bei der Aufnahme auf die angezeigte Belichtungszeit. Ist diese kürzer als 1/5 Sekunde kannst du folgendes Tricks ausprobieren, um die Belichtungszeit ohne Graufilter zu verlängern.

 

  • Du nimmst deine Sonnenbrille als Ersatz für einen Graufilter und hältst sie vor die Linse. Damit kannst du die Belichtungszeit moderat verlängern. Die Sonnenbrille sollte sauber und gleichmäßig getönt sein. Eventuelle Verfärbungen durch die Brille lassen sich in der späteren Bearbeitung mit dem Farbtemperatur-Regler und dem Tönungs-Regler wieder korrigieren. Mit Adobe LightRoom ein Kinderspiel.

 

Wasserfall Langzeitbelichtung mit Sonnenbrille ohne Graufilter Vergleich 8016

Wasserfall Langzeitbelichtung mit und ohne Sonnenbrille

 

  • Belichte etwas über. Du änderst die EV Einstellung (Exposure Value) Einstellung deiner Kamera auf +0,3 oder +0,7. Das hat eine längere Belichtungszeit zur Folge. In der Bildbearbeitung kannst du die Überbelichtung wieder korrigieren. Dieser Trick funktioniert nur mit EV kleiner +1, da sonst Überblendungen entstehen, die in der Bearbeitung nicht mehr korrigierbar sind. Mit der EV Einstellung sorgst du gezielt für eine Unter- oder Überbelichtung. Eine EV Stufe von +1 entspricht einer Verdoppelung der Blende oder der Belichtungszeit.

 

Wasserfall Langzeitbelichtung mit 0-5EV und Belichtungskorrektur 0976

Wasserfall mit Sonnenbrille als Graufilter-Ersatz und Belichtungskorrektur von 0,5 EV

 

  • Suche dir eine Stelle mit einer hohen Fließgeschwindigkeit. Schnell fließendes Wasser führt mit kurzen Belichtungszeiten zum selben Ergebnis.
  • Gehe näher an den Wasserfall heran

 

Wasserfall Langzeitbelichtung 2 Sekunden ohne Graufilter 4693

Wasserfall Langzeitbelichtung mit 2 Sekunden – ohne Graufilter

 

Fazit

Mit ein paar Tricks kannst du ohne Graufilter tolle Wasserfall-Bilder fotografieren. Jedoch bist du auf die Bedingungen angewiesen. Solltest du mal kein so schönes Wetter haben, mache dich auf zum nächsten Wasserfall. Graue Tage sind Wasserfall Tage.

 

Kennst du noch weitere Tricks, dann lass es mich in den Kommentaren wissen!

 
 

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2 Kommentare

Robert says:

März 3, 2016 at 8:54 pm

Es gibt auch noch den Trick mit dem Überblenden einer ganzen Serie von normal geschossenen Aufnahmen. Affinity Photo für Mac kann das. Ein Tutorial findet sich beim Hersteller.

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Stefan says:

März 6, 2016 at 2:52 pm

Hi Robert, danke für den Tipp! Das Tutorial sieht sehr viel versprechend aus!

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